Besuchsbericht Gasthof Hotel Zum Mohren // Reutte
vom 29.06.2020
Um dem Hotel und Gasthof zum Mohren in Reutte einen Besuch abzustatten, muss ich immer eine längere Reise einplanen, daher bleibe ich heute gleich über Nacht hier im Hause.
Die Familie Ruepp betreibt schon seit mehreren Generationen das Traditionshaus mitten in der ca. 7.000 Einwohner zählenden Marktgemeinde Reutte.
Im Mohren wird ständig modernisiert, repariert und verbessert, auch im sogenannten Coronajahr 2020. Es wird noch stärker auf Regionalität und Qualität gesetzt. Das heißt, dass heimische Produkte und Getränke nach Möglichkeit alle aus der Region und auch Umgebung Allgäu eingekauft und zugeliefert werden.
Die Ruepps sind ein intaktes Familienunternehmen, die Arbeiten in der Familie sind bestens aufgeteilt und bei großen Entscheidungen wird auf das Gemeinsame geschaut. Die Küche ist wie bei den meisten gastronomischen Betrieben das Aushängeschild des Hauses, außer sie hätten eine Hängebrücke über ihrem Dach.
Aus diesem Grund gibt es bei der Familie einige Regeln, wie z.B. dass auch die beste Kaffeemaschine aus schlechtem Kaffee keinen guten machen kann, und der beste Kaffee bei einer schlechten Maschine auch nicht gut sein wird. In der neuen Fachsprache heißt es, zu einer schönen Hardware braucht es eine sehr gute Software. Oder bei schlechter Bewirtung und falschem Angebot nützt die beste Lage nichts.
Die Familie sind natürlich sehr erfahrene, leidenschaftliche, flexible und geschäftstüchtige Wirtsleut‘ und deshalb lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten.
Nachdem ich herzlich von allen Mittgliedern begrüßt wurde, setze ich mich auf die Terrasse vor dem Haus und bestelle mir einen Tiroler Burger vom heimischen Rind. Da momentan der Burger bei den Wirten der Tiroler Wirtshauskultur in aller Munde ist, möchte ich hiermit meine Stellungnahme abgeben.
Der Begriff „Burger“ ist für mich ein Name in der Küche, nicht anders als bei Schnitzel, Steak, Gulasch, Beuscherl, Würste, Ragout, Carpaccio, Filet usw. Der einzige Unterschied ist, dass das Wort erst vor kurzem eingedeutscht wurde und ihn jeder mit dem billigen Hamburger von McDonald‘s assoziiert. Meiner Meinung nach kann jeder Koch und jede Köchin mit Tiroler Produkten experimentieren und neue Kreationen erschaffen. Man soll sie auch benennen wie es einem gefällt, aber es darf am Ende keine Burger-, Gulasch-Schnitzel- oder Würstelbude werden, damit die Richtlinien der Tiroler Wirtshauskultur entsprochen werden.
Ich genoss den hausgemachten, medium gebratenen Burger mit Pommes und einer selbst kreierten Cocktailsoße. Das Brötchen (Bun) wurde auch selbst kreiert und gebacken. Diesem neuzeitlichen Gericht steht nichts im Wege, um die Gastronomie und auch die Tiroler Wirtshäuser zu erobern. Ich bin jetzt kein Burger-Verfechter, ich habe auch schon einen vegetarischen Kasknödelburger gegessen (sehr innovativer Koch!). Diese Gerichte sollten jedoch nur einen kleinen Teil des Angebotes ausmachen.
Ich habe den Tiroler Burger mit einem Glas eleganten österreichischen Rotwein genossen und er war „sau guat“. Roland ist ein, ich nehme einfach das deutsche Wort für Sommelier, Weinfanatiker, und sein Weinkeller kann locker mit den besten dieser Branche mithalten.
Mit einem Spruch, der ebenfalls zum Mohren passt, wünsche ich der Familie inklusive Mitarbeiter alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
„Die Erinnerung an schlechte Qualität währt länger als die Freude an niedrigen Preisen.“
Reutte, am 29.06.2020
Johann Pichler